Kunstrasenspielfeld auf dem Bötschenberg?

Für Deutschlands Fußballvereine, also auch für den Helmstedter SV, hat die schwierigste Zeit des Jahres begonnen. Die Witterung wird den meisten Amateurklubs den Trainings- und Spielbetrieb erschweren oder zum Teil unmöglich machen. Den Spielflächen werden wieder Schnee und Frost und später das Tauwetter zusetzen. Wohl dem, der da einen Kunstrasenplatz hat. Wann lohnt sich Kunstrasen? Worauf ist beim Bau und der Pflege zu achten? Auf die wichtigsten Fragen hier die Antworten:

Was sind die größten Vorteile eines Kunstrasenplatzes?
Das wichtigste Merkmal ist, dass ein Kunstrasen nahezu das ganze Jahr bespielbar ist. Die Pflegekosten sind deutlich geringer als bei einem Naturrasen, für den diesbezüglich vier bis sechs Euro pro Quadratmeter veranschlagt werden. Bei einem Kunstrasen sind es rund zwei Euro pro Quadratmeter. Zudem ist die aktuelle Generation der Kunstrasenplätze qualitativ so gut, dass sie von den Spieleigenschaften zu neunzig Prozent an den Naturrasen herankommt.

Was müssen Vereine bei der Planung beachten?
Entscheidend ist zuallererst, dass ein Bedarf vorhanden sein muss. Der neue Platz muss so hoch frequentiert sein, dass sich der Bau auch lohnt. Ein Verein mit fünf oder sechs Mannschaften braucht eher keinen Kunstrasen. Dringend empfohlen wird neben einer Befeuchtungsanlage vor allem Flutlicht, um das ganze Jahr eine Nutzung bis in die Abendstunden zu gewährleisten.

Welche qualitativen Unterschiede gibt es?
Aktuell handelt es sich um die dritte Generation der Kunstrasen. Die erste Generation wurde noch komplett ohne Vorfüllung angelegt, die zweite hatte ausschließlich eine Sandfüllung. Bei den modernen Kunstrasen hat die Sandfüllung nur ergänzenden Charakter, prägend ist die Gummi-Granulat-Verfüllung. Die Kunstrasen der dritten Generation sind wesentlich elastischer als ihre Vorgänger und ermöglichen ein natürlicheres Rollverhalten des Balles. Spieler tragen nach einem Sturz weniger Verbrennungen und Schürfwunden davon. Die ´Grashalme`, die so genannte Polschicht, sind vierzig bis sechzig Millimeter lang, in der ersten Generation betrug die Polhöhe lediglich zehn bis dreizehn Millimeter.

Was kostet der Bau eines Kunstrasenplatzes?
Mit 400.000 bis 500.000 Euro sollte gerechnet werden. Bei der Modernisierung bzw. Umwandlung eines bestehenden Platzes sinken die Kosten, wenn die Tragschicht und Drainage weiter verwendet werden kann. Das ist allerdings stark vom Zustand des alten Platzes abhängig.

Wie lange dauert der Bau?
Wenn die Witterung mitspielt, ist die Fertigstellung innerhalb von drei Monaten realistisch.

Warum lohnt sich die Investition?
Neben den geringen Pflegekosten ist die umfassende Nutzung der größte Pluspunkt. Während bei Naturrasenplätzen von 400 bis 800 Nutzungsstunden pro Jahr ausgegangen wird und bei Ascheplätzen von 1.000 bis 1.500, ermöglicht ein Kunstrasen 2.000 bis 2.500 Nutzungsstunden jährlich.

Wie muss der Kunstrasen gepflegt werden?
Der Platz sollte wöchentlich aufgebürstet werden, weil sich die Halme sonst umlegen und die Fläche glatter wird. Das wiederum hat Auswirkungen auf das Gleit- und Ballrollverhalten. Der Platz kann verfilzen. Von Zeit zu Zeit sollte das Granulat nachgefüllt werden, und einmal im Jahr ist eine Generalreinigung zu empfehlen, um das Geläuf langfristig in Schuss zu halten.

Wie lange hält ein Kunstrasen?
Für den Oberbelag wird eine Halbwertszeit von fünfzehn Jahren veranschlagt, dann sollte er ausgetauscht werden. Der komplette Unterbau kann bestehen bleiben, sofern er nach den empfohlenen Normen angelegt ist. Er sollte rund vierzig Jahre halten. Es kann also, auch in Anbetracht der hohen Nutzung, von einer nachhaltigen Bauweise esprochen werden.

Welche Fußballschuhe sind am besten geeignet?
Auf einem modernen Kunstrasen kann sowohl mit Nocken- als auch mit Noppenschuhen (Tausendfüßler) gespielt werden.

Ist ein Vergleich zwischen Helmstedt und Wolfsburg zulässig?
Im Hinblick auf die Sportplatzsituation, insbesondere auf Kunstrasenplätze, ist ein Vergleich zwischen Helmstedt und Wolfsburg absurd. Vom Landkreis Helmstedt und von der Stadt Helmstedt, die beide hoch verschuldet und praktisch pleite sind, sind keine Zuschüsse zur Errichtung eines Kunstrasenplatzes zu erwarten. Dem Helmstedter Sportverein ist es aus finanziellen Gründen unmöglich, auf dem Bötschenberg einen Kunstrasenplatz aus Eigenmitteln zu errichten.


Zur weiteren Information wird auf die DFB-Empfehlungen für Kunstrasenplätze hingewiesen.

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