Schwimmen: Spezielle Kurse für Migrantinnen

Schwimmen lernt doch jedes Kind. Dass dem nicht so ist, beweisen Erwachsenen-Kurse, die von der Diakonie Helmstedt in Zusammenarbeit mit dem Helmstedter Sportverein speziell nur für Migrantinnen angeboten werden. In vielen Ländern ist es nicht so üblich, dass Kinder zum Beispiel in der Schule schwimmen lernen. Deshalb können es die Erwachsenen dann nicht, erzählt Vassiliki Pavlidou, die bei der Diakonie für die Migrationsberatung zuständig ist. Sie weiß durch ihre Arbeit, wie schwierig es für viele Frauen ist, in ihrer neuen Heimat Anschluss zu finden. Darum haben die Schwimmkurse noch eine andere Bedeutung: Oft haben die Frauen ihre Rolle mehr zu Hause. Sie sollen durch solch einen Kurs raus kommen, Kontakte knüpfen und mal etwas für sich tun.

Dass die Kurse sich speziell nur an Frauen richten, begründe sich aus der Tatsache, dass es sich um ein sensibles Feld handele. ´Sie schämen sich und möchten sich nicht so gerne öffentlich zeigen. Deshalb haben wir uns um einen geschützten Raum bemüht`, macht Pavlidou deutlich. Und der ist in der Goethehalle. Dort beginnt gerade der Fortgeschrittenen-Kurs. Die Atmosphäre ist locker und entspannt. Es ist wirklich eine schöne Stimmung. Die Räumlichkeit macht dabei viel aus, denn die Frauen fühlen sich unbeobachtet und damit sicher. Die Kurse finden daher auch nicht im Juliusbad statt. Auch Schwimmlehrerin Barbara Kallenbach vom Helmstedter Sportverein betont, wie wichtig der private Raum ist. Sie erzählt von einem Ausflug, den sie mit der Gruppe ins Juliusbad gemacht hat: ´Die Frauen haben sich die ganze Zeit umgeschaut, entweder, dass ihnen niemand zu nahe kommt oder dass sie nicht beobachtet werden.` Doch von Verunsicherung ist an diesem Morgen nichts zu spüren. Etwa bei der 61-jährigen Emma Jawni aus Kasachstan. ´Ich mache mit!`, habe für sie sofort festgestanden. ´Eigentlich schämt man sich`, sagt sie und lacht laut los, als sie noch anfügt: ´Der Po ist einfach zu schwer und zieht einen nach unten.` Dass es nicht leicht sei, schwimmen zu lernen, findet auch die 63-Jährige Elena Kusnezow. ´Im Kopf ist einfach zu viel drin.` Doch mittlerweile klappt es. Im Becken zieht sie ihre Bahnen. ´Meine Kinder sind stolz auf mich`, erzählt sie noch. Einige der Teilnehmerinnen haben schon ihr Seepferdchen-Abzeichen geschafft. Zu ihnen gehört Taina Hoppmann. Sie stammt von den Fidschiinseln. Und da hat sie nicht schwimmen gelernt? ´Irgendwie schon, aber sich über Wasser zu halten ist etwas anderes als Schwimmen`, macht die 37-Jährige deutlich. Jetzt will sie ihren Freischwimmer schaffen. Aus den Philippinen, Russland oder auch China stammen die Frauen. Vassiliki Pavlidou ist dankbar, dass sie für ihre Idee Unterstützer gewinnen konnte, wie den Kreissportbund, der die Halle organisiert und den Kontakt zur Schwimmlehrerin organisiert habe. ´Eigentlich dachte ich, das wird nur eine einmalige Sache, als wir 2013 angefangen haben. Aber der Wunsch der Frauen war es, weiterzumachen`, stellt sie fest. Und der soll erfüllt werden. Zumindest wenn es sich weiter durch die Spenden finanzieren lasse, auf die sie angewiesen seien. Die sollen auch anderen Projekten dienen, an denen bereits gearbeitet wird: Schwimmkurse speziell für Migrantenkinder oder auch Fahrradkurse, denn auch Rad fahren könnten viele Einwanderer nicht.

Die Schwimm-Kurse für Migrantinnen werden jeweils freitags in der Goethehalle angeboten: Der Anfängerinnen-Kurs von 10:30 bis 11:30 Uhr sowie der Kurs für Fortgeschrittene von 9:30 bis 10:30 Uhr.

Hinweis: Hier finden Sie den BZ-Pressebericht im Original.

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