Gleichschaltung des VfL Helmstedt

Die von mir als kommissarischen Vorsitzenden vorgenommene Gleichschaltung des Vereins für Leibesübungen Helmstedt ist nach dem Grundsatz erfolgt, die Vorstandsämter in erster Linie mit Parteigenossen zu besetzen. Im VfL Helmstedt waren zur Zeit siebenunddreißig Personen im Vorstand, in Ausschüssen und in sonstiger Weise für den Verein tätig. Diese Zahl erschien mir reichlich hoch, es ist daher eine Reduzierung auf zweiundzwanzig Personen vorgenommen worden. Der Vorstand setzt sich nunmehr aus dem kommissarischen Vorsitzenden Pg. Fricke sowie den geschäftsführenden Vorstandsmitgliedern Pg. Voges, Pg. Ziems, Pg. Gieseke, Pg. Flohr und W. Försterling zusammen. Die Einzelbesetzung ist folgende: 1. Vorsitzender (komm.): Pg. Erich Fricke, 2. Vorsitzender: Pg. von der Fecht, 1. Schriftführer: Pg. W. Voges, 2. Schriftführer: Walter Könnig, 1. Kassierer: Walter Försterling, der sich für die Bewegung schon seit langer Zeit eingesetzt hat und außerhalb bereits Parteimitglied gewesen ist. 2. Kassierer: Wilhelm Balhausen, Sportwart: Pg. Walter Ziems, Gerätewart: Pg. Gerhard Flohr, Beisitzer: Pg. Gieseke. Der Jugendausschuss ist von Rademacher und Pg. Kirsch besetzt. Rademacher übernimmt als alter Soldat mit dem EK1 auch die Wehrsportabteilung. Mit sofortiger Wirkung werden von ihren Ämtern wegen politischer Unzuverlässigkeit Gustav Völker I, Bruschke und Kuntze und entfernt.

Ferner habe ich folgende Maßnahmen getroffen:

  1. Die Vereinsgeschäfte werden von dem geschäftsführenden Vorstand erledigt.
  2. Die sportlichen Angelegenheit versieht der Sportausschuss in unveränderter Weise. In den Ausschuss wird als Vertrauensmann Pg. W. Voges entsandt.
  3. Das Amt des besoldeten Ballwartes (Ratzmann) fällt aus Sparsamkeitsrücksichten fort. In den Sportvereinen muss Idealismus wieder mehr Geltung verschafft werden. Jedes Mitglied hat sich ehrenamtlich zur Verfügung zu stellen.
  4. Die Verwaltung des Vereinsheimes erfährt eine neue Regelung. Die Einnahmen aus diesem Heime bilden eine der Haupteinnahmequellen des Vereins. In den wenigen Jahren des Bestehens des Heimes hat der Wirt schon mehrere Male gewechselt. Es ist daher notwendig, mit der Bewirtschaftung des Heimes eine Person zu betrauen, die in jeder Hinsicht den Anforderungen gerecht wird. Die Bewirtschaftung des Heimes übertrage ich daher dem Kassierer Paul Bunk.
  5. Die für die Bewirtschaftung des Heimes bisher bezahlte Umsatzprovision von insgesamt rund 13 % wird auf 3% herabgesetzt. Im Allgemeinen gilt auch hier das unter c) Gesagte. Bei einem Jahresumsatz von ca. 6.000 RMk kann mit einem erhöhten Überschuss von 600 RMk gerechnet werden, der in erster Linie zur Tilgung der Schulden des Vereins zu verwenden ist.
  6. Reisespesen für sämtliche Mannschaften werden nicht gezahlt. Eine derartige Bestimmung sollte eigentlich nicht möglich sein. Es ist aber bekannt, dass alle Sportvereine in der Spesenfrage gesündigt haben.
  7. Die Aufnahme des Konsumangestellten Gerecke wird aufgehoben.
  8. Von dem bisherigen Kassierer Paul Bunk sind folgende Unterlagen gefordert, die in Kürze beigebracht werden müssen:
    1. Wahrheitsgetreue Aufstellung über Einnahmen und Ausgaben seit der letzten Januar-Hauptver-sammlung
    2. Aufstellung einer Vermögensbilanz. Sämtliche, auch die kleinsten Schulden sind nachzuweisen.
    3. Aufstellung über die monatlichen Einnahmen und Ausgaben im Juni 1933 und Juni 1932.
    4. Aufstellung über die Einnahmen aus den Wettspielen vom 01. Januar 1933 bis jetzt.
    5. Angabe des Mitgliederbestandes nach Jugend, Knaben, aktiven und passiven Männern, Frauen und Mädchen.
    6. Höhe der einzelnen Monatsbeiträge und des Eintrittsgeldes.
    7. Wie viel Mitglieder sind von der Zahlung des Monatsbeitrages befreit? Gründe.
    8. Vorlage aller Neuanmeldungen seit dem 01. Januar 1933.
    9. Mitgliederverzeichnis und Protokollbuch vorlegen.
    10. Sämtliche abgeschlossenen Verträge, Versicherungsscheine u.s.w. sind vorzulegen.

    Erledigung bis spätestens Sonntagmittag um 12:00 Uhr.

Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass sämtliche getroffene Maßnahmen nur als vorläufig anzusehen sind. Sämtliche Mitglieder ersuche ich, ihre Pflichten gewissenhaft zu erfüllen, um dadurch zu beweisen, dass sie gewillt sind, am Wiederaufbau unseres Vaterlandes mitzuarbeiten.


Helmstedt, den 14. Juli 1933

                                    
                                     E. Fricke
                                       Komm. Vorsitzender des VfL Helmstedt

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